PSYCHOSOMATIK

Allgemeines
Existenz ist ganzheitliches Sein, ist leibhaftiges In-der-Welt-sein. Der Körper erhält in diesem Verständnis eine tragende Rolle im Lebensvollzug. Dem Zusammenwirken von Psyche und Körper, den Möglichkeiten eines gesunden versus eines gestörten Zusammenspiels von Psyche und Körper und dem Einfluss der geistigen Dimension auf dieses Zusammenspiel wird in dieser Weiterbildung nachgegangen. Neben den gängigen Verständnismodellen von
psychosomatischen Erkrankungen werden das existenzanalytische Verständnis und die phänomenologische Herangehensweise an das bio-psycho-soziale Geschehen als Grundlage für spezifische therapeutische Interventionen erarbeitet. Als Sonderform psychosomatischen Geschehens beschäftigen wir uns mit somatoformen Störungen, bei denen kein organischer Befund nachweisbar ist und psychische Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptome eine bedeutsame Rolle spielen. Anhand von Fallbeispielen somatoform, sowie „organdestruktiv“ erkrankter Menschen werden der phänomenologische Zugang zum Krankheitsbild und das therapeutische Vorgehen erarbeitet, geübt und diskutiert. Salutogenetische Aspekte, Imaginationsübungen zur Aktivierung von Selbstheilungskräften, Imagination zur Verbesserung der Beziehung zum Körper, Achtsamkeitspraxis zur Stärkung der Körperwahrnehmungsfähigkeit und der geistigen Dimension des Menschen sowie themenbezogene Selbsterfahrung ergänzen Theorie und therapeutisches Vorgehen.
Leitung
Mag. Renate Bukovski, Dr. Lilo Tutsch, Dr. Walter Neubauer
Überblick
1.Wochenende
Verständnismodelle der psychosomatischen Erkrankungen auf der Zeitachse
Überblick über die psychosomatischen Verständnismodelle in der Geschichte, u.a. Konversionsmodell (Freud), Bio-psycho-soziales Modell (Uexküll), Gestaltkreis (Weizsäcker), Stressmodell (Selye), ... Existenzanalytisches Modell auf dem Hintergrund der existenzanalytischen Anthropologie, der Struktur- und Prozesstheorie. Theorie, Gruppenarbeit, Diskussion, Achtsamkeitspraxis, Selbsterfahrung.
2. Wochenende
Selbsterfahrung zu eigenen psychosomatischen Beschwerden Selbsterfahrung und Reflexion des eigenen Verständnisses auf dem Hintergrund der psychosomatischen Modelle und existenzanalytisches Selbstverständnis. Diagnostik psychosomatischer Erkrankungen: Somatoforme Störungen, Konversionsstörungen, Syndrome im Umkreis somatoformer Störungen (z.B. Chronisches Erschöpfungssyndrom) und „Organdestruktive“ Störungen (ICD 10, DSM IV und neuere Tendenzen in der Diagnostik). Theorie, Diskussion, Entspannungsübungen, Achtsamkeitspraxis, insbesondere Körperwahrnehmungsübungen, Selbsterfahrung.
3. Wochenende
Psychosomatik in Spezialdisziplinen der inneren Medizin
Kardiologie: Bluthochdruck, Erkrankung der Herzkranzgefäße und geschlechtsspezifische Unterschiede, somatoforme autonome Funktionsstörung des kardiovaskulären Systems, Tako- Tsubo Syndrom. Gastroenterologie: „Die Bauch-Hirn Achse“, funktionelle gastrointestinale Syndrome (FGIS). Neue Leitlinien „Somatoforme Störung“: Von EBM-Kriterien zur individualisierten Patientenbehandlung. Chronischer Schmerz - ein bio-psycho-soziales Phänomen, Neurobiologische Relevanz für Psychosomatik und Psychotherapie, Psychoedukation in der Psychotherapie. Theorie, Selbsterfahrung, Übung.
4. Wochenende
Existenzanalytische Therapie
Spezifische existenzanalytische Psychotherapie auf der Basis der personal-existentiellen Grundmotivationen und der Personalen Existenzanalyse an Hand von Fallbeispielen. Ergänzung und Vertiefung durch Achtsamkeitspraxis, Körperwahrnehmung und Imaginationen zum inneren Dialog mit dem Körper und der Symptomatik/dem Schmerz. Theorie, Fallbeispiele, Übung.
5. Wochenende
Anwendung der Therapie an einzelnen Krankheitsbildern - TEIL I
Somatoforme Störungen. Anamnese, Fragebögen, Phänomenologie der bio-psychosozialen Abläufe als Möglichkeit des Verständnisses und Zugangs zur Therapie. Erarbeitung der therapeutischen Vorgangsweise anhand von Fallbeispielen. Theorie, Diskussion, Fallbeispiele, Übung, Selbsterfahrung.
6. Wochenende
Anwendung der Therapie an einzelnen Krankheitsbildern - TEIL II
„Organdestruktive“ Erkrankungen: An Hand von Beispielen wie Endometriose, Morbus Crohn, Asthma bronchiale, Hypertonie, Essstörungen: Anamnese, Phänomenologie der bio-psychosozialen Abläufe als Möglichkeit des Verständnisses und Zugangs zur Therapie. Erarbeitung der therapeutischen Vorgangsweise anhand von Fallbeispielen. Theorie, Diskussion, Fallbeispiele, Übung, Selbsterfahrung.
Zielgruppe
ExistenzanalytikerInnen
Für TherapeutInnen anderer Schulen ist ein Grundlagenseminar
in existenzanalytischer Anthropologie Voraussetzung.
Stundenüberblick
- Theorie, Selbsterfahrung, praktische Übung: 6 Wochenenden (2 Tage) 108 Std.
- Zu supervidierende eigene Praxis 50 Std.
- Supervision der eigenen Praxis 20 Std.
- Peer Groups (Üben im kollegialen Kreis) 30 Std.
SUMME: 208 Std.
Teilnahmebedingungen
Für den Erhalt des Weiterbildungsdiploms ist die Teilnahme an zumindest 85% der Stunden an den Wochenenden Voraussetzung.
Das Weiterbildungscurriculum ist vom ÖBVP zertifiziert.
